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Schwäbische Zeitung im Juli 2004


Gruschwitz: AG in der Memminger Straße

120 Mitarbeiter produzieren technische Zwirne

LEUTKIRCH - Schlechte Nachrichten gibt es viele, hier kommt eine gute: die Gruschwitz AG verlagert ihr Werk aus Neu-Ulm sowie die zugekaufte Firma Lozetex aus Winterlingen nach Leutkirch. 120 Mitarbeiter stellen künftig in den Gebäuden der ebenfalls übernommenen Leutkircher Firma Zorn High-Tech-Fasern, also technische Zwirne, her.

Von unserem Redakteur Bernd Guido Weber

Das Firmengelände der früheren Fritz Zorn GmbH &Co an der Memminger Straße, gleich hinter der OMV-Tankstelle, ist riesig: 26 000 Quadratmeter umbaute Fläche, dazu Rampen, Zufahrten und viele Parkplätze. Es schien freilich in einen Dornröschenschlaf gefallen. Die grün und braun gestrichenen Hallen und Gebäude, der Allgäuer Landschaft farblich angepasst, wirkten leer, Bäume und Sträucher drumherum wurden immer größer, dichter. 450 Menschen hatten hier in den Glanzzeiten der Firma gearbeitet, die in den 50er Jahren nach Leutkirch gekommen war. Dann ließen die Aufträge nach, andere produzierten anderswo billiger.
Aufwärts geht es wieder seit 1998, als die Gruschwitz-Gruppe die Leutkircher Firma übernahm. Die Aktiengesellschaft mit Sitz in Ulm veredelte das Sortiment, betonte das High-Tech-Geschäft. Seitdem sind die Fasern "made in Leutkirch" in der Raumfahrt, in der Medizin, im Fahrzeugbau, bei Sport und Freizeit zu finden. 45 Mitarbeiter hatte Zorn/Gruschwitz in Leutkirch wieder.
Bald sind es 120. Die Gruschwitz AG legt nämlich ihre drei Firmen zusammen. Die Werke in Neu-Ulm sowie die 2003 gekaufte Lozetex Tech-Twists aus Winterlingen kommen nach Leutkirch. In die Memminger Straße 68 kommt neben Verwaltung und den ausgebauten Produktionsanlagen das "Innovations-Zentrum für technische Zwirne". Mit Forschungslabor und modernster Messtechnik.
"Wir fühlen uns in Leutkirch wohl" sagt Vorstand Dieter Hiller, der in Laichingen wohnt, aber in Leutkirch eine kleine Wohnung hat - wenn es mal länger geht oder der Winter zuschlägt. Aktuell läuft der Umzug der Produktion von Neu-Ulm nach Leutkirch. Die meisten der dortigen 50 Beschäftigten wechseln zum neuen Arbeitsplatz ins Allgäu, die Führungskräfte kommen alle mit. Überdies hat Hiller über die Personalberatung Barbara Schneider in Memmingen, einer Leutkircherin, zwölf Leute von hier eingestellt. "Frau Schneider hat uns sehr geholfen," sagt Hiller, "sie hat Kompetenz vor Ort, kennt sich hier aus." Die Leutkircher pendeln jetzt nach Neu-Ulm und kommen bald mit den Maschinen zurück. Anfang September läuft die Produktion auf Hochtouren - sieben Tage die Woche, rund um die Uhr. Dann werden auch die Leutkircher zum "Tag der offenen Tür" geladen.
Die 25 Beschäftigten aus Winterlingen bei Sigmaringen sind alle mitgekommen. Die meisten pendeln, fahren - sichere Jobs sind rar -jeden Tag eineinviertel Stunden her, eineinviertel Stunden zurück. Je nach Witterung auch länger. Drei Familien sind bereits hergezogen. Vielleicht werden es noch mehr - landschaftlich und vom Angebot her muss sich Leutkirch vor dem bisherigen Standort nicht verstecken. Aber es gibt natürlich familiäre Bindungen, die einen Umzug nicht zulassen.
Großes Lob für OB Stegmann
Nach Leutkirch gekommen ist der Neu-Ulmer Betrieb übrigens ohne politische Überredungskunst. Dass der jetzige OB Elmar Stegmann ausgerechnet am Neu-Ulmer Landratsamt das Hauptamt leitete, ist eher Zufall. Gruschwitz-Vorstand Dieter Hiller lobt aber ausdrücklich das Engagement Stegmanns, der damals noch ziemlich frisch im Amt war. "Ich habe die Baupläne bei ihm selbst vorbei gebracht, und innerhalb weniger Wochen hatten wir alle Genehmigungen."Dies sei, so Hiller, im "Wirtschaftsstandort Deutschland" keineswegs selbstverständlich, trotz aller Konkurrenz um die Ansiedelung von Industrie. "Es gibt immer noch viel zu viel hemmende Bürokratie. Aber hier lief es vorbildlich.

Schwäbische Zeitung im Juli 2004